Zum Inhalt springen
Offizielle Website – Bundesrepublik Deutschland

Ein Interview vorbereiten

Mit einem gut vorbereiteten Interview erfahren Sie, wie und warum Menschen einen Service nutzen. Sie verstehen ihre Ziele, Herausforderungen und Erwartungen. Diese Anleitung hilft Ihnen, Interviews gezielt vorzubereiten.

Hilfreiche Fachgebiete
Wichtig in diesen Entwicklungsphasen
Zuletzt aktualisiert am

Zum Vorgehen

Interviews zählen zu den qualitativen Methoden. Sie führen dabei ein Gespräch mit Ihren Nutzenden. Sie stellen gezielt Fragen, die ein besseres Verständnis für die Bedürfnisse Ihrer Zielgruppe schaffen. Interviews geben Ihnen die Möglichkeit, Ihrer Zielgruppe zuzuhören und vielleicht zum ersten Mal in Kontakt mit ihr zu treten.

Nehmen Sie sich Zeit, Ihr Interview vorzubereiten. Machen Sie sich Ihr Ziel klar. Klären Sie in Ihrem Team, warum Sie das Interview durchführen wollen.

  • Was möchten Sie herausfinden?
  • Warum möchten Sie das herausfinden? Welches Problem steht damit in Zusammenhang?
  • Wen betrifft das? Wen müssen Sie befragen?

Ein gut vorbereitetes Interview gibt Ihnen Sicherheit.

  • Sie stellen sicher, dass die Fragen zu den Zielen Ihres Interviews passen
  • Sie konzentrieren sich voll auf die Person, mit der Sie sprechen
  • Sie stellen sicher, dass jedes Interview gleich abläuft. Das macht die Ergebnisse der einzelnen Interviews vergleichbar

Fokus für die Untersuchung setzen

Grundlagen klären

Bevor Sie die Details Ihres Interviews ausarbeiten, beantworten Sie folgende Fragen:

  • Was ist das Ziel des Interviews?
  • Was möchten Sie von der Person erfahren, die Sie befragen?
  • Was möchten Sie durch dieses Gespräch verstehen?
  • Welche Annahmen überprüfen Sie?

Überlegen Sie, wen Sie befragen müssen:

  • Welche Personen befragen Sie?
  • Haben die Personen Ihren Service schon einmal benutzt oder nicht?
  • Nutzen die Personen Assistenzsysteme?
  • Haben Nutzende bestimmte Sprachkenntnisse?
  • Wie viele Personen werden Sie befragen?

Wie Sie Teilnehmende für die Nutzungsforschung finden

Auswertung der Interviews vorbereiten

Erstellen Sie eine Basis, mit der Sie später die Interviews auswerten können. Bestimmen Sie Schwerpunkte. Diese helfen Ihnen, die Aussagen oder Verhalten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Sie können dann Aussagen und Beobachtungen aus den Interviews zuordnen und vergleichbar auswerten.

Wählen Sie 4 bis 5 Schwerpunkte aus, die zu dem passen, was sie herausfinden wollen.

Beispiel für Schwerpunkte

Die Schwerpunkte zeigen unterschiedliche Gründe für das Handeln einer Person:

  • Motivation: Warum eine Person etwas tun möchte oder vermeiden will
  • Fähigkeiten: Was eine Person kann und welche Ressourcen sie hat
  • Notwendigkeit: Was eine Person tun soll oder was andere erwarten
  • Rahmenbedingungen: Welche äußeren Vorgaben das Handeln ermöglichen oder einschränken

Formulieren Sie zu jedem Aspekt passende Fragen. Die Fragen helfen Ihnen dabei, Aussagen aus den Interviews einzuordnen.

Beispiele:

  • Motivation: Was will die Person? Was will sie nicht?
  • Fähigkeiten: Was kann die Person? Welche Ressourcen hat sie?
  • Notwendigkeit: Was soll die Person tun? Was wird von ihr erwartet?
  • Rahmenbedingungen: Was darf die Person? Welche äußeren Vorgaben beeinflussen sie?

Beispiel bei einem digitalen Angebot

  • Verständnis: Was versteht die Person?
  • Vertrauen: Wobei fühlt sich die Person sicher oder unsicher?
  • Aufwand: Was kostet die Person Zeit oder Kraft?
  • Unterstützung: Wo braucht die Person Hilfe?

Die Aspekte ergänzen sich gegenseitig. Zum Beispiel: Eine Person kann motiviert sein, etwas zu tun, aber nicht die nötigen Fähigkeiten haben. Oder sie hätte die Fähigkeiten, darf etwas aber wegen äußerer Vorgaben nicht tun.

Ordnen Sie die jeweiligen Aussagen und Beobachtungen nach den Interviews den Fragen zu. Wie Sie Interviews auswerten, erfahren Sie in der Anleitung „Interviews auswerten".

Interview strukturieren

Fragen vorbereiten

Grundlagen in Interviewfragen übertragen

In einem Interview stellen Sie unterschiedliche Kategorien von Fragen. Welche Kategorie Sie verwenden, hängt davon ab, an welcher Stelle Sie gerade im Interview sind. Bereiten Sie Fragen für jede Kategorie vor. Nutzen Sie dafür Ihr Material, das Sie unter „Grundlagen klären" erarbeitet haben.

Formulieren Sie Fragen für folgende Kategorien:

Allgemeine Fragen stellen Sie am Anfang. Sie sammeln erste Gedanken und Haltungen zum Thema. Mögliche Formulierungen:

  • Was verbinden Sie mit ...?
  • Was bedeutet ... für Sie? Warum?

Beispiele: Was verbinden Sie mit einem Antrag bei den Behörden? Was bedeutet es für Sie, wenn Sie einen Antrag stellen müssen?

Fragen zu Erfahrungen helfen, tiefer zu gehen. Sie erforschen positive, negative und überraschende Erlebnisse. Mögliche Formulierungen:

  • Erzählen Sie von Ihrer Erfahrung mit …
  • Was war Ihre beste oder schlechteste Erfahrung? Warum?

Beispiel: Erzählen Sie von Ihrer (letzten) Erfahrung, als Sie einen Antrag online gestellt haben.

Anschlussfragen ergänzen Fragen zu Erfahrungen. Sie vertiefen interessante Punkte und erforschen Widersprüche. Mögliche Formulierungen:

  • Können Sie das genauer beschreiben?
  • Wie haben Sie sich dabei gefühlt? Warum?

Wechseln Sie im Interview zwischen Fragen zu Erfahrungen und Anschlussfragen ab.

Wunschfragen runden ein Gespräch ab. Sie geben der befragten Person die Möglichkeit, Gedanken zu ergänzen. Sie fragen nach Vorstellungen. Mögliche Formulierungen:

  • Wenn Sie Zauberkräfte hätten, was würden Sie ändern? Warum?
  • Möchten Sie noch etwas hinzufügen?

Prüfen Sie noch einmal: Ist alles in Ihren Fragen enthalten, was Sie wissen möchten? Ergänzen Sie bei Bedarf weitere Fragen.

Fragen formulieren

Formulieren Sie offene Fragen. Offene Fragen kann man nicht mit ja oder nein beantworten. Sie regen zum Erzählen an.

Stellen Sie neutrale Fragen. Leiten Sie nicht in eine bestimmte Richtung. Fragen Sie: Wie sind Sie mit dem Service zurechtgekommen? Fragen Sie nicht: Was finden Sie am Service gut?

Ablauf festlegen

Jedes Interview sollte nach demselben Schema ablaufen. Ein Leitfaden hilft Ihnen, immer gleich vorzugehen und den Fokus zu behalten. Er dokumentiert den Ablauf Ihres Interviews. Dadurch behalten Sie im Gespräch den Fokus und Ihre Interviews sind später einfacher vergleichbar.

Planen Sie jetzt schon Zeit ein, um das Interview auszuwerten. Werten Sie jedes Interview direkt im Anschluss aus. Dann sind die Erkenntnisse noch frisch.

Leitfaden erstellen

Sie haben Fragen formuliert und kategorisiert. Ordnen Sie Ihre Fragen jetzt verschiedenen Abschnitten Ihres Interviews zu. Welche Fragen stellen Sie zum Einstieg am Anfang? Welche im Hauptteil des Interviews? Welche am Ende?

Planen Sie, wie lange Ihr Interview dauert. Halten Sie für jeden Abschnitt fest, wie lange Sie dafür brauchen.

Beispiel für einen Ablauf

  1. Anfang (5 Min.): Kennenlernen und Organisatorisches klären
    1. Stellen Sie sich vor
    2. Erklären Sie, worum es bei Ihrem Projekt geht
    3. Erklären Sie, wie Sie mit Daten umgehen. Sagen Sie zum Beispiel, dass Sie Bilder oder Ton aufnehmen
    4. Erklären Sie den Ablauf
    5. Erklären Sie, dass es kein richtig und kein falsch gibt. Es geht um die individuelle Perspektive der befragten Person
  2. Erste Fragen (10 Min.): Langsames Hinführen und Vertrauen aufbauen
    1. Stellen Sie allgemeine Fragen
    2. Lernen Sie die Perspektive der befragten Person kennen
  3. Hauptteil (20 Min.): In die Tiefe gehen
    1. Stellen Sie Fragen zu Erfahrungen
    2. Lassen Sie die befragte Person Ihre Geschichte erzählen
    3. Fragen Sie mit Anschlussfragen tiefer nach
  4. Abschluss (10 Min.):
    1. Stellen Sie Wunschfragen
    2. Fragen Sie nach, ob bestimmte Themen für die befragte Person besonders wichtig sind
    3. Geben Sie einen Ausblick, wie es weitergeht oder zu nächsten Schritten
    4. Bedanken Sie sich für das Gespräch
    5. Verabschieden Sie sich

Aus der Praxis

Bleiben Sie flexibel und passen Sie sich dem Gespräch an. Weichen Sie vom Leitfaden ab, wenn es die Situation erfordert. Das bedeutet: Die befragte Person berichtet, Sie fragen bei interessanten Punkten nach.

Lassen Sie der befragten Person Zeit zum Nachdenken, auch wenn Pausen entstehen. Die Person erzählt oft von sich aus weiter.

Den größten Redeanteil hat die befragte Person. Die interviewende Person sollte einen Redeanteil von 10 bis 20 Prozent haben.

Diese Anleitung entstand in Zusammenarbeit mit Experten und Expertinnen aus der Praxis.

Verwandte Anleitungen

Hilfreiche Fachgebiete

Die genannten Fachgebiete und ihre Beschreibungen dienen als Orientierung. Sie zeigen auf, mit welchem Wissen und mit welchen Fähigkeiten die Punkte am besten umgesetzt werden können.

User-Research

User-Researcher und -Researcherinnen planen und führen Interviews mit Nutzenden, erstellen Umfragen und machen Beobachtungen zu ihrem Verhalten. Sie analysieren die Ergebnisse, um Erfahrungen, Herausforderungen und Ziele sichtbar zu machen. Nutzerforscher und -forscherinnen unterteilen Nutzergruppen, um deren Zusammensetzung zu verstehen. Sie werten qualitative und quantitative Daten aus, um Muster zu erkennen. Nutzerforscher und -forscherinnen binden Menschen aktiv in den Entwicklungsprozess ein und beziehen deren Perspektiven systematisch ein.

Zu allen hilfreichen Fachgebieten

Wichtig in diesen Entwicklungsphasen

Jedes digitale Angebot durchläuft verschiedene Phasen. Die 4 Phasen zur Entwicklung nach Servicestandard helfen Teams, strukturiert vorzugehen, die richtigen Schwerpunkte zu setzen und Entscheidungen zum passenden Zeitpunkt zu treffen.

Verstehen

In der Phase „Verstehen" entsteht ein gemeinsames Verständnis für das Problem, das gelöst werden soll. Anforderungen und Ziele für das digitale Angebot und den Prozess werden festgelegt. Die Grundlage bilden Erkenntnisse über die Personen, die den Service nutzen. Es entsteht Klarheit über bestehende Abläufe und Rahmenbedingungen. Veränderungen werden skizziert. Mit dieser Basis kann die Entwicklung in die passende Richtung gelenkt werden.

Weiterentwickeln

In der Phase „Weiterentwickeln" wird das digitale Angebot an veränderte Bedingungen angepasst. Neue Bedürfnisse, technische Entwicklungen und rechtliche Änderungen führen zu erweiterten Anforderungen. Lösungen entstehen aus der Verbindung bewährter Bausteine mit neuen Elementen. Offene Standards und Open Source sichern die Nachvollziehbarkeit. Die Weiterentwicklung hält den Service aktuell, wirksam und nutzerfreundlich.

Alle 4 Entwicklungsphasen

Geben Sie uns Feedback

Ihr Feedback hilft uns, den Servicestandard an den Bedürfnissen der Nutzenden auszurichten. Beschreiben Sie Ihr Anliegen so detailliert wie möglich. Geben Sie keine persönlichen Daten ein.

Feedback eingeben

E-Mail Adresse für Rückfragen angeben. Das ist optional

Hinweis

Ihr Feedback wird auf opencode.de veröffentlicht